Produktinformationen
1 Einige Worte zur Technik
Die Zeiten, in denen man als "EMGist" gut beraten war, wenn man ein paar Semester Elektronik studiert hatte, sind heute gottlob vorbei. Dank moderner Computertechnik ist heute vieles so vereinfacht, dass man das Innenleben seiner elektronischen Maschine (in der Folge einfach als EMG-Gerät bezeichnet) weitgehend mit Missachtung strafen darf, ohne beleidigte Reaktionen hervorzurufen. Wenn man heute weiß, wo der Netzschalter ist und ihn betätigt hat, kann man sich eigentlich auf das - oft gar nicht so unkomplizierte - Bedienungsmenü seines Geräts konzentrieren und sich dann ganz seinem Patienten widmen.
Allerdings kommt es auch bei modernen EMG-Geräten vor, dass die Elektronik plötzlich "verrückt spielt" und sich Filter, Ablenkgeschwindigkeit oder Verstärkung ungewollt verstellen. In solchen Situationen ist es gut, wenn man sich ein wenig mit den basalen Grundlagen vertraut gemacht hat.
1.1 Abbildung des Biosignals auf dem MonitorDie biologischen Spannungsschwankungen ("Potenziale" oder "Biosignale"), die als Elektromyogramm (EMG), Elektroneurogramm (ENG) oder als evozierte Potenziale (EP) abgeleitet werden, laufen überwiegend so schnell ab, dass sie nicht mit einem mechanischen Schreibsystem - wie beim EEG oder EKG - aufgezeichnet werden können.
Eine 10/s-Alpha-Welle hat eine Dauer von 100_ms; ein Fibrillationspotenzial, einzelne Komponenten eines sensiblen Nervenaktionspotenzials oder eines akustisch evozierten Hirnstammpotenzials dauern dagegen nur etwa 1_ms. Die Registrierung solcher Potenziale war früher nur mit dem völlig trägheitslos arbeitenden Kathodenstrahloszillografen möglich, der den Kern jedes Registriergeräts bildete. Bei den modernen, auf PC-Basis arbeitenden Geräten werden die (analogen) Spannungswerte rasend schnell in digitale Daten umgewandelt, die Sie dann auf dem PC-Monitor als Kurven sehen.
Der Schirm eines EMG-Geräts ist in aller Regel durch ein Gitter- oder Punktmuster ( _ Abb. 1.1) eingeteilt. Die Kantenlänge eines solchen Gitterelementes resp. der Abstand zwischen zwei Punkten wird meist mit dem neuhochdeutschen Begriff "Division" (abgekürzt DIV) bezeichnet. In Anlehnung an das mathematische Koordinatensystem bezeichnet man die horizontale Achse als X- und die vertikale als Y-Achse.
In X-Richtung verläuft die Zeitachse. Hier kann man wählen, wie schnell der Strahl von links nach rechts über den Monitor wandern soll. Sehr schnell ablaufende Vorgänge, die z._B. nur 1 _Millisekunde (ms) benötigen, erfordern eine recht hohe Ablenkgeschwindigkeit (z.B. 1ms/DIV). Verläuft die biologische Spannungsschwankung dagegen sehr träge (z._B. über 100_ms), muss eine deutlich geringere Ablenkgeschwindigkeit (100ms/DIV) gewählt werden.
Bei niedrigen Ablenkgeschwindigkeiten kann man das Wandern des Strahles mit dem Auge verfolgen. Demgegenüber ist das z._B. bei der zur EMG-Registrierung üblichen Geschwindigkeit von 10_ms/DIV nicht mehr möglich. Auf einem Monitor wie in _ Abb. 1.1 dargestellt, benötigt der Strahl für den ganzen Schirm 100_ms, kann also 10-mal pro Sekunde seine Wanderung wiederholen: Es entsteht hier für den Betrachter schon der Eindruck einer stillstehenden, wenn auch noch etwas flackernden Linie. Bei noch höheren Geschwindigkeiten sieht man nur noch eine stillstehende Linie, obgleich der Strahl ständig, aber eben 100-mal pro Sekunde oder noch häufiger, von links nach rechts flitzt.
In Y-Richtung verläuft die Amplitudenachse. Hier wird die Höhe des Biosignals eingestellt, die in Millivolt (mV) oder Mikrovolt (µV) angegeben wird. Über die Wahl der Empfindlichkeit oder "sensitivity" kann eingestellt werden, wie stark das Potenzial vergrößert werden soll: Dabei muss man sich erst daran gewöhnen, dass kleine Werte (z._B. 1_µV/DIV) eine hohe Verstärkung und große Werte (z._B. 100_mV/DIV) eine geri
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
| Jahr | 2026 |
| Autor | Peter Vogel |
| Format | E-Book |
| Sprache | Deutsch |
| Verlag | Georg Thieme Verlag KG |
| Sold by | Nalda AG |
